Eine unserer engsten Mitarbeiterinnen und Direktorin unserer Partnerorganisation GGF (Grain To Grow Foundation), Saria Amillen Anderson, besuchte uns dieser Tage in Oberösterreich. Die Romero-Preisträgerin unterstützte uns während der wichtigen Adventzeit bei vielen Terminen und Gesprächen mit Partnern in Österreich.

Mehr dazu:
https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/Weihnachten-ist-wenn-alle-zu-essen-haben;art4,3085713

 

Diesen Besuch wollen wir zum Anlass nehmen, ein Interview mit Saria zu ihren Projekten in Tansania zu veröffentlichen.

Saria Amillen Anderson sorgt seit vielen Jahren dafür, dass die von Sei So Frei in Tansania initiierten Projekte kontinuierlich fortgesetzt werden. 2010 wurde sie mit dem Romero-Preis ausgezeichnet.

 

Was ist Ihre Aufgabe als Projektpartnerin?

Ich kümmere mich um mehrere Gemeinschaftsprojekte, die es den Familien in der Mara-Region am Victoriasee ermöglichen sollen, ein würdevolles Leben zu führen und ihr tägliches Auskommen zu finden. Die Projekte befassen sich mit Landwirtschaft, Wiederaufforstung, Schmiedehandwerk, sauberer und sicherer Trinkwasserversorgung und der Stärkung gemeinschaftlicher Organisationsformen durch die Verbesserung der Dorfinfrastruktur. 3.625 Kleinbauernfamilien aus 13 Dörfern sind direkt in diese Projekte eingebunden. Von den positiven Entwicklungen und unseren Angeboten profitieren rund 25.000 Menschen, angefangen von Kleinbauernfamilien über Volks- und Mittelschüler bis hin zu Studenten.

 

Was sind die größten Herausforderungen in Ihrer täglichen Arbeit?

Für mich ist es nach wie vor schwierig, wenn ich in den Dörfern mit gravierenden Notsituationen konfrontiert werde. Manchmal schaffe ich es kaum, diese Situationen auszuhalten. Dann muss ich mich zwingen, nicht zu erstarren. Ansonsten stellen die Kultur und Traditionen oft Herausforderungen dar. Gott sei Dank konnte ich durch meine Arbeit viel Respekt und Vertrauen erwerben.

 

Sie sind den Projekten seit vielen Jahren treu. Was motiviert Sie?

Ich glaube fest daran, dass Gott mich dazu bestimmt hat, diese Arbeit zu machen und der Gemeinschaft zu helfen. Wegen meiner Erfahrungen, meines Wissens und meiner Fähigkeiten – die meisten Menschen hatten keinen Zugang zu Bildung. Ich möchte dieses Privileg nutzen, um diese Lücke zu schließen und die bedürftigen Menschen in meiner Heimat auf ihrem Weg in ein Leben in Würde und Freiheit zu begleiten. Ich gebe ihnen meine Stimme.

 

Bestimmt gab es auch Momente, die besonders berührend waren?

Da gibt es einige. Ich erinnere mich an die Geschichte von Mariam James. Sie benötigte einen Kredit, um das Schulgeld ihres Sohnes zu bezahlen. Für mich ging es um eine wirklich große Summe. Die „Dorfchefs“ boten mir Sicherheiten und überzeugten mich schließlich. Es war keine leichte Entscheidung. Heute hat der Junge die Universität abgeschlossen und ist als Lehrer angestellt. Den Kredit hat Mariam ohne Probleme zurückbezahlt. Als ich sie kürzlich besuchte, sagte sie zu ihren Kindern: „Das ist eure zweite Mutter. Dank ihr kann ich für euch da sein.“

 

2010 wurden Sie für Ihre Leistungen mit dem Romero-Preis ausgezeichnet. Was war das für ein Gefühl?

Der Romero-Preis war für mich eine riesige Wertschätzung und Motivation für meine Arbeit, wie ich sie so noch nie erfahren habe. Er gab mir die Möglichkeit, bedürftige Familien weiter zu unterstützen.

 

Welche Schwerpunkte sehen Sie für die Zukunft?

Mir liegt die Ausbildung von Mädchen besonders am Herzen. Langfristig ist sie für die meisten Familien der Schlüssel, um der Armut zu entfliehen. Denn Mädchen und Frauen tragen viel Verantwortung innerhalb ihrer Familie und der gesamten Dorfgemeinschaft. Deshalb haben auch sie, wenn sie gut ausgebildet sind, die größte Chance, die Gesellschaft zu verändern.

 

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das?

Gesundheit, große Zukunftsideen für die Menschen in meiner Heimat und die Mittel, diese Visionen umzusetzen.