AUFKLÄRUNG, PRÄVENTION, ERNÄHRUNG &

STARKE FRAUEN

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Der einzige Ausweg aus einer nahezu ausweglosen Situation

Eigentlich sind es zwei voneinander unabhängige Themen, die wir hier zusammenfassen. Dennoch sind sie untrennbar miteinander – und mit allen weiteren Projektthemen – verbunden. Die verschiedenen Lebensbereiche greifen ineinander und müssen auch so behandelt werden, damit sich die Einwohnerinnen und Einwohnern unserer Projektgebiete in Tansania ein menschenwürdiges Leben aufbauen können. Die Gesundheit steht dabei ganz zu Beginn, aber auch am Ende unserer Arbeit vor Ort.

FGM (FEMALE GENITAL MUTILATION, BESCHNEIDUNG VON FRAUEN)

Niemand, auch nicht wir, hätten gedacht, dass das, was umgesetzt wurde, funktioniert. Im Bezirk Musoma gibt es keine Beschneidungen mehr.

Unsere langjährige Projektpartnerin Saria, gewohnt mit genauen Planungen, Budgets, Berichten und Zielen umzugehen, sah sich zu Beginn der Projektzeit außerstande, einen Projektantrag einzureichen. Nicht einschätzbar war das Thema. Dass etwas geschehen musste, war ganz klar, aber was, aber wie? Also gaben wir ihr im vollsten Vertrauen freie Hand. Niemand soll Sei So Frei vorwerfen können, dass wir, gerade hinsichtlich schlimmster gesundheitlicher Tabus, nicht alles probiert hätten.

DIE GRAUSAME TRADITION

FGM ist in Tansania seit 1990 verboten. Dennoch wird sie durchgeführt. An Orten wo keiner hinsieht. In 20 Dörfern unserer Projektregionen wurde die Hälfte aller Mädchen ab etwa 12 Jahren beschnitten. Nicht von Ärztinnen und Ärzten. Nicht in der Gesundheitsstation. Geheim in der Schule. In einer Blutlache liegend, ein Mädchen nach dem anderen mit dem gleichen, unzureichenden Werkzeug. Die Konsequenzen sind schauderhaft. Infektionen, HIV-Ansteckung, lebenslange Schmerzen.

Das Thema ist ein großes Tabu und sehr heikel. Die Tradition verlangte die Beschneidung, hinterfragt wurde das nicht. Unbeschnittene verheiratete Frauen durften keine Kühe melken , Mädchen durften nicht mehr nach Hause kommen. In unserer Arbeit war so ein Fall ausschlaggebend dafür, dass eine Menge geschehen konnte. Eine Ersatzfamilie wurde gesucht, ein offener Diskussionsprozess entfacht.

DER UNGLAUBLICHE ERFOLG

Aufklärung und Enttabuisierung sind das Wichtigste. In unserem Fall gingen Frauen, und zwar auch die Frauen, die Beschneidungen durchführten, in die Schulen und erzählten vom Ablauf einer Beschneidung und den Folgewirkungen. Vor allem aber wurden auch die Männer in den Diskussionsprozess miteinbezogen. Betroffene Frauen erzählten, gestärkt von den Gruppen, ihren Männern, was es bedeutet, beschnitten zu sein. Lebenslange Schmerzen, kein Lustempfinden mehr, geistige und seelische Verstümmelung und Apathie.

So gelang es, in den Projektgebieten den Beschneidungen ein Ende zu setzen – ein unglaublicher Erfolg. Dennoch wird uns das Thema immer begleiten, noch ist viel zu tun – und es ist möglich.

Saria Amillen Anderson
– Projektpartnerin von Sei So Frei in Tansania –

“Für mich ist es nach wie vor schwierig, wenn ich in den Dörfern mit gravierenden Notsituationen konfrontiert werde. Manchmal schaffe ich es kaum, diese Situationen auszuhalten. Dann muss ich mich zwingen, nicht zu erstarren.”

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HIV / AIDS

1,5 Millionen Menschen in Tansania leben mit dem HI-Virus, das betrifft fast 5% der erwachsenen Bevölkerung. 2017 starben weit über 30.000 Menschen an der Immunschwäche und nur weniger als 50% der HIV-positiven Kinder sind in Behandlung. Die WHO stellt Tansania dennoch ein recht gutes Zeugnis im Umgang mit der Epidemie aus. Besserer Zugang zu Medikamenten ließ die Ansteckungsrate in den letzten fünf Jahren um 20% sinken und den Anteil an Aids-Sterblichkeit um fast die Hälfte zurückgehen. Soweit die landesweiten Zahlen.

In unseren Projektgebieten stellt sich das Thema nochmals anders dar. Die große Armut, die schlechte Ernährungs- und Trinkwassersituation und vor allem zu wenig Aufklärung spielen der Krankheit in die Hände. Polygamie und das patriarchalische Sozialsystem tun ihr Übriges dazu.

WAS WIR TUN

Genau da setzt Sei So Frei an. Wir unterstützen unsere Partnerorganisation GGF (Grain To Grow Foundation) dabei, HIV-Aufklärung zu leisten, und finanzieren Weiterbildungskurse für die Gesundheitsverantwortlichen der Dörfer.

Das führt dazu, dass die Motivation, sich testen zu lassen, unter den Menschen deutlich ansteigt, was eine wichtige Voraussetzung ist, um die Verbreitung von Aids einzudämmen. Nur Bewusstseinsbildung kann einen Unterschied machen. In Gruppen wird das Thema besprochen. Der Zugang zu Test-Packages, aber auch Medikamenten, die über die WHO, die Weltbank und den IWF (Internationaler Währungsfonds) finanziert werden, kann nur über geregelte Strukturen funktionieren. Wer nicht dabei ist, hat kaum eine Chance.

Dennoch ist die Situation schwierig. Es gibt keine Untersuchungen und keine medizinische Bewertung, wofür welche Medikamente gebraucht werden. Was wir in unserer Arbeit dennoch merken und was uns glücklich macht, ist, dass auch der Placebo-Effekt spürbar ist und alleine der Zugang zu Medikamenten und der Zuspruch die Psyche der Patientinnen und Patienten deutlich stärken. Nichts ist schlimmer als zu wissen, dass es Medikamente gibt, man sie aber nicht bekommt.

Ein weiterer wichtiger Teil unseres Kampfes gegen die Verbreitung der Krankheit ist der Zugang zu sauberem Wasser und zu Ernährungsdiversität. Brunnen, Regenwassertanks, Saatgut, Werkzeug und Know-how sind die wichtigsten Helfer, um einerseits das Immunsystem der Kinder und Erwachsenen zu stärken und andererseits ein Leben in Würde zu ermöglichen, das erlaubt, sich mit dem Thema Gesundheit aktiv und selbstbestimmt auseinanderzusetzen.

DAS WIRD BENÖTIGT.

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Helfen Sie mit!

Die beiden vordringlichsten Gesundheitsthemen, FGM & HIV, werden uns immer begleiten. Der Weg dahin, die bestehenden Tabus aufzubrechen, Aufklärung zu betreiben und die richtigen Schritte zu setzen, um eine nachhaltige Besserung der Situation zu ermöglichen, führen ausschließlich über den persönlichen Einsatz von engagierten Menschen. Dafür benötigen wir Geld.

Ermöglichen wir diesen engagierten Menschen, ihr Wissen und ihre Netzwerke dafür zu nützen, um Achtsamkeit und Verantwortungsbewusstsein viral wirken zu lassen! Spenden wir für gesundheitliche Aufklärung, Betroffenengruppen und mehr Selbstvertrauen!

 

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Zwischen dem indischen Ozean und drei der größten afrikanischen Seen gelegen präsentiert sich Tansania mit unglaublicher landschaftlicher Vielfalt. Die Serengeti ist einer der bekanntesten Nationalparks der Welt, das Kilimandscharo-Massiv, die flache tropische Küste, Feucht- und Trockensavannen und Halbwüsten prägen das Land. In den ländlichen Regionen herrscht große Armut. Epidemien wie Malaria und HIV sowie klimatische Katastrophen haben hier freie Bahn. Die Infrastruktur abseits der Städte ist zudem sehr schlecht entwickelt. Zumeist gibt es kilometerweit keinen Wasser- und Stromanschluss. // Fläche: 945.087 km2 // Einwohner: 57 Millionen // Amtssprache: Swahili (Nationalsprache), Englisch (pro forma)
45% der Menschen in Tansania sind unter 15 Jahre alt. Durchschnittlich 4,8 Kinder bekommt eine Frau. Diese Zahlen lassen deutliche Rückschlüsse auf die Probleme des Landes zu. 95% der Einwohnerinnen und Einwohner sind Bantu, die über 130 verschiedenen Ethnien angehören und 125 verschiedene Sprachen sprechen, wobei Swahili, die „nationale“ Sprache zusehends das Englisch aus der Kolonialzeit verdrängt. Es herrscht Schulpflicht.Circa 70% der Bevölkerung können lesen und schreiben. Obwohl es keine systematischen Menschenrechtsverletzungen gibt, herrschen regional große Unterschiede. In den armen ländlichen Regionen mindert vor allem das patriarchalische System die Chancen für Mädchen und Frauen auf Schulbildung und Gesundheit dramatisch. Das Ausmaß von Gewalt gegen Frauen ist besorgniserregend. Zudem müssen fast 40% aller Kinder bis 14 Jahren arbeiten, oft 14 bis 17 Stunden am Tag auf Plantagen und für die Hälfte des Lohnes eines Erwachsenen.
Tansania ist eine Präsidialrepublik. Seit 1961 ist das Land vom ehemaligen Kolonialherren, dem Vereinigten Königreich, unabhängig und 1995 fanden die ersten demokratischen Wahlen statt. Es gibt keine religiösen und ethnischen Verfolgungen, sowohl der Rechtsstaat, als auch die Pressefreiheit sind im Prinzip gewährleistet, wobei die knappen Ressourcen und Korruption das System anfällig machen. Wirtschaftlich ist Tansania einer der dynamischer Wachstumsmarkt der Region, gehört aber, vor allem aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums, zu den ärmsten Ländern der Welt.
Durch die teilweise relativ gute grundlegende Schulbildung und die relativ niedrige Analphabetismusrate sind die Voraussetzungen für gesellschafts-, gesundheitspolitisches und umweltrelevantes Bewusstsein eigentlich ganz gut gegeben. Allein stehen dem zumeist die rigiden traditionellen Gesellschaftsstrukturen im Weg. Vor allem die eklatante Schlechterstellung der Frauen in der Gesellschaft verhindert, neben der Armut, Aufgeschlossenheit und Entwicklung in diesen Bereichen. Dass nachhaltige Aufklärung dennoch eine Menge bewirken kann, beweisen zum Beispiel die Erfolge von Sei So Frei im Bereich von FGM (Female Genital Mutilation).