MUT SCHÖPFEN

NACH DER KATASTROPHE

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Zwei Hurrikans verwüsteten 2020 unser Projektgebiet in Nicaragua

Mehr als 40.000 Familien in einer der ärmsten Regionen Nicaraguas haben im November 2020 innerhalb kürzester Zeit alles verloren. Bereits der erste Hurrikan, ETA, am 3. November, war gnadenlos zerstörerisch. Häuser, Straßen, Infrastruktur, Wälder und Plantagen waren von dem Orkan, den Regenfällen und den Überflutungen betroffen. Und sobald sich die Menschen vom größten Schock erholt hatten und mit den Aufräumungsarbeiten begannen, schlug die zweite Katastrophe zu. Hurrikan IOTA, mit der höchsten Stärke der Saffir-Simpson-Skala. Er raffte alles hinweg, was bis dahin stehen geblieben war. Dicke Schlammschichten, komplett zerstörte Dörfer und vernichtete Ernten. Dass keine Menschen zu Tode kamen, ist den guten Präventionsmaßnahmen zu verdanken. Mehr als 78.000 Menschen wurden rechtzeitig evakuiert, 48.000 Menschen wurden in Notunterkünfte gebracht, wo sie größtenteils immer noch ausharren.

All unsere jahrelang aufgebauten Projekte sind von dieser Zerstörung betroffen. Die Schäden in der Atlantikregion werden auf 617 Millionen Dollar geschätzt, wobei Wald- und Landwirtschaftsschäden noch nicht berücksichtigt sind. Eine unfassbare Summe angesichts der so wenig erschlossenen Gegend. Nun wird um den raschen Wiederaufbau gekämpft. Unmittelbar nach der Tragödie begannen die Aufräumungsarbeiten – ein unfassbarer Ausdruck des Lebenswillens und Mutes der Bevölkerung.

Hilário Rodríguez Vanegas
– Betroffener aus der Gemeinde Prinzapolka –

Wir wissen noch nicht, wo und wovon wir leben sollen. Wir haben nichts mehr. Auch kein Wasser, denn dieses hier ist schlecht. Wenn wir es trinken, werden wir krank.

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Dr.in Alta Hooker
– Rektorin Universität URACCAN –

“Wir werden fest und vereint auf dem Land unserer Vorfahren stehen. Wir werden weiterhin dem Zorn der Elemente standhalten, bis unsere Sonne wieder aufgeht und scheint.”

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Botschaft
der Universität URACCAN

“Vielleicht können wir den Schmerz derer, die alles verloren haben, nicht auslöschen. Aber wir können ihnen Hoffnung geben.”

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ZUSAMMENSTEHEN

Wir betreuen seit Langem sechs verschiedene Projekte in der Atlantikregion. Einige davon haben sich im Laufe der Zeit zu internationalen Vorzeigeprojekten entwickelt, wie die Pearl Lagoon’s Academy of Excellence oder die Universität URACCAN und die Kakaokooperative UNCRISPROCA. Während unserer regelmäßigen Reisen nach Nicaragua stehen wir jedes Mal staunend vor der Kraft und dem Willen der ansässigen Bevölkerung und unserer Projektpartner*innen. Und genau diese Eigenschaften machen uns nun während der Zeit des Wiederaufbaus die größte Hoffnung. Die durch die Hurrikans entstandenen Schäden, wie in unseren Videos ersichtlich, sind immens. Aber noch unübersehbarer sind die Solidarität und der Mut der Menschen. In Städten und Siedlungen wie Siuna, Bonanza, Rosita oder Bilwi, wo Häuser, Straßen, Brücken, Stromleitungen und Trinkwassereinrichtungen komplett zerstört und wichtige Ausbildungszentren der Universität dem Erdboden gleichgemacht wurden, herrscht vom ersten Tag nach den Katastrophen an reges Treiben. Mit einfachsten Mitteln und trotz fehlendem Werkzeug und Baumaterialien helfen die Menschen zusammen, um die Basis ihres Lebens und ihrer Entwicklung wiederaufzubauen. „Was wir gelernt haben, kann uns keiner nehmen“, ist die Aussage, die wir von all unseren Projektpartnern hören und lesen. All jene Einrichtungen und Ausbildungen, all jene Projekte und Grundlagen, die ihr Leben prägen, stehen während des Wiederaufbaus im Vordergrund. Wir sind stolz, dass wir, mit Ihrer Hilfe, während der letzten mehr als 25 Jahre so Wichtiges dazu beitragen konnten.

DIE DIREKTEN AUSWIRKUNGEN IN UNSEREN PROJEKTEN

Zum Beispiel die Universität URACCAN. Zu Beginn als sehr ehrgeiziges Projekt eingestuft hat die Zeit – und nun die Katastrophe – gezeigt, wie wichtig diese Bildungsstätte als Zentrum für eine gesamte Region geworden ist. Hunderte Menschen fanden hier Schutz. Sie wurde zur Kommunikationsdrehscheibe und zum Zentrum des Wiederaufbaus. Obwohl die gesamte administrative Infrastruktur, die Klassenzimmer, Büros und Personal- und Studierendenhäuser zerstört sind, wird auf dem Universitätscampus eine Notversorgung der Bevölkerung organisiert und der Wiederaufbau der Region geplant und koordiniert. Ein unglaublicher Ausdruck für den immensen Wert der überregionalen Ausbildungsstätte ist wohl die Tatsache, dass der Unterricht noch 2020 wieder aufgenommen und die Semester- und Jahresabschlüsse der Studenten gesichert wurden. Ganz ähnlich zeigt sich die Situation in der Kakaokooperative UNCRISPROCA. 150 kleinbäuerliche Familien aus 10 Dörfern am Flussbecken des Flusses Río Grande de Matagalpa sind Teil des Projektes. 80% der Kakaoplantagen, 175 Hektar Land insgesamt, die das wichtigste landwirtschaftliche Produkt und Einnahmequelle für die vielen Mitglieder von UCRISPROCA darstellen, sind  betroffen. Nicht nur die Ernten und Pflanzen selbst wurden verwüstet, sondern auch die wichtigen schattenspendenden Obst- und Nutzbäume sowie die gesamte Infrastruktur der Kooperative. Eine dicke Schlammschicht bedeckt die mühsame Arbeit von Jahren.

DER WIEDERAUFBAU

„Wir stehen auf. Wir machen weiter. Alles Wissen, das wir gesammelt haben, und alle Entwicklung, die wir hinter uns gebracht haben, kann uns nichts und niemand nehmen.“ Der Lebensmut, Wille zum Neubeginn und die Nachhaltigkeit aller bis dato gesetzten Maßnahmen sind in jedem Bericht und jedem Maßnahmenpaket, das wir mit unseren Projektpartnern akkordieren, spürbar. Nun gilt es, alle möglichen Mittel freizumachen, um den Wiederaufbau zu unterstützen. Nur mittels Werkzeug und Material können nicht nur die physischen Schäden an Infrastruktur, Wohn-, Bildungs- und Lebensraum wieder gutgemacht, sondern vor allem die Hoffnung auf die weitere Entwicklung und die Fortsetzung des bereits beschrittenen erfreulichen Weges, gesichert und in die nächste Generation getragen werden.

>> zu unseren Projekten in Nicaragua

DAS WIRD BENÖTIGT.

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Helfen Sie mit!

Wir konnten noch 2020 beträchtliche Mittel freimachen, um Soforthilfe zu leisten.
Doch damit ist es bei Weitem nicht getan.

Wir müssen den Menschen in den von der Hurrikan-Katastrophe betroffenen Gebieten weiterhin den Rücken stärken, damit sie ihr Land, ihre Lebens- und Ernährungsgrundlagen, aber auch ihre Hoffnungen auf eine bessere Zukunft, wieder aufbauen können. 

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Jeder Beitrag hilft!

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16 Euro finanzieren 20 kg Nägel, die die Dachdecker dringend benötigen.
Um 39 Euro können 3 von 2.000 benötigten Wellblechen besorgt werden, um Unterrichtsräume der Universität zu decken.
Mit 180 Euro kann ein Hektar der Kakaoplantagen gesäubert werden, um mit der Wiederaufforstung zu beginnen.

UNIVERSITÄT URACCAN

VORHER / NACHHER.  Die Bilder lassen uns noch immer fassungslos zurück. Wo wir im Jahr zuvor noch standen und das 25-jährige Bestehen der Universität URACCAN feierten, ist jetzt ein Großteil der Infrastruktur zerstört. Dennoch bleibt die Universität auch nach der Katastrophe die wichtigste Drehscheibe für den Wiederaufbau.

DIE KAKAOKOOPERATIVE

VORHER / NACHHER.  Die Kakaobauern in Siawas bemühen sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln um ein besseres Leben. Gemeinsam zeigen sie im Rahmen der Kooperative UNCRISPROCA, wie es gehen kann und sind der gesamten Region Vorbild. Die verheerenden Stürme und Überschwemmungen bedeuten einen bitteren Rückschlg. 80% der Kakaoplantagen sind dem Erdboden gleichgemacht.

Die auffälligsten Charakteristika des zentralamerikanischen Staats sind seine nahezu permanente schwierige politische und soziale Lage, die unglaubliche Schönheit des Landes mit seinen vielen aktiven Vulkanen, eindrucksvollen Stränden, den riesigen Seen und üppigen Regenwäldern, aber auch die große Armut und die verheerenden Naturkatastrophen, die ihn regelmäßig erschüttern. Während in den Westen mit der Hauptstadt Managua viele Investitionen fließen, geht der östliche Teil – die autonome Atlantikregion – zumeist leer aus. Sei So Frei setzt sich seit über 20 Jahren für die rund 700.000 Menschen (ca.12%) dieser Region ein. // Fläche: 120.254 km2 // Einwohner: 6 Millionen // Amtssprache: Spanisch
Die Bevölkerung Nicaraguas besteht zu fast 70% aus Mestizen. Dazu kommen, vor allem in der Atlantikregion, Menschen spanischer und afrikanischer Herkunft. Unsere Projektgebiete im Norden und Osten des Landes sind von größter kultureller und sprachlicher Vielfalt geprägt. Indigene Völker wie Miskito, Mayangna und Rama sind hier zuhause genauso wie Kreolen und Garífuna mit afrikanischen Wurzeln. Die Menschen leben friedlich, aber nicht reibungsfrei zusammen. Die extrem hohe Arbeitslosigkeit von ca. 90% ist hier doppelt so hoch wie im nationalen Durchschnitt. Trotz schwierigster Lebensbedingungen, politischer Instabilität und oftmaliger Naturkatastrophen sind die Menschen überaus gastfreundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit, wie wir regelmäßig selbst erfahren dürfen.
Die Republik Nicaragua steht schon wieder im Brennpunkt der politischen Berichterstattung. Während die Hoffnung auf etwas weniger Armut und soziale Stabilität in den letzten Jahren gestiegen war, drohen aktuell bewaffnete Konflikte zwischen der sandinistischen Regierung unter Daniel Ortega und den oppositionellen Bewegungen. Demonstranten werden gefoltert und getötet, die Lage scheint schlimmer, als sie jemals unter dem ehemaligen Diktator Somoza oder der Kolonialherrschaft war. Das Land hat politisch schon viel Elend gesehen und es ist keine Besserung in Sicht. Eigenheiten wie die Tatsache, dass das Schulsystem immer noch keinen Unterricht in kreativ-musischen Fächern vorsieht (die Sei So Frei Schule ist da eine Ausnahme) verbessern die Lebensbedingungen auch nicht.
Wie so oft verhindern großes Elend und große Armut ausgeprägtes Wertebewusstsein. Um dies zu ändern, arbeiten wir in all unseren Projekten, vor allem im Bildungsbereich, aufmerksam an diesen Themen. Das Wissen um die eigenen Rechte, um Klimaschutz, Genderthemen, Gesundheit und sozialen Umgang miteinander ist für die Menschen ein wichtiger Grundstein, um sich selbstbestimmt und selbstbewusst in der eigenen Welt bewegen zu können. Woran es keinesfalls scheitert, sind grundlegende Offenheit, Freundlichkeit, Gastfreundschaft und vor allem Lebensfreude, die die Menschen Nicaraguas jederzeit ausstrahlen.